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Friedemann Scheer

"Ein Unternehmen soll unternehmen, nicht jammern!"

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Sicherlich habe ich Glück gehabt, in einer Familie wie der meinen aufwachsen zu dürfen. In einer Familie, in der beide Elternteile selbständig und immer motiviert waren. Oder aber ich war damals zu stark von meiner Idee eingenommen, um die Bedenken anderer nicht zu ernst zu nehmen, die eine Unternehmensgründung als Jugendlicher angeblich mit sich bringen würden.

Damals noch Brunsbütteler wollte ich endlich selber erleben, was es heißt, ein Unternehmen zu führen. Nach der Gründung sein eigener Chef zu sein, war für mich eine tolle Vorstellung, damals nicht ahnend, welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden. Als Metier wählte ich, wie könnte es für einen jungen Menschen anders sein, das Internet aus. Als Webdesigner wollte ich agieren und Kunden ins Netz bringen.

Die Anfänge lagen aber nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, immer schon im Webdesign, sondern in kleinen "CD-Produktionen", die ich mit 12 Jahren machte. Diese CDs, ausgestattet mit witzigen PowerPoint-Präsentationen, erfreuten sich damals bei meinen Mitschülern und Lehrkräften mehr oder weniger großer Beliebtheit. Zufällig sprang ich von PowerPoint auf HTML um, was den Stein sozusagen ins Rollen brachte. Bis zur Gewerbeanmeldung dauert es dann noch ein wenig, weil ich das Handwerk zum Erstellen von Websites erst einmal erlernen musste.

Ein wenig gewundert hat es den Sacharbeiter der Stadt Brunsbüttel schon, ein Gewerbe für einen mittlerweile fünfzehnjährigen Jugendlichen anzumelden. Aber auf dem Beschluss des Amtsgerichts, den ich bei mir trug, stand es schwarz auf weiß, dass ich die volle Geschäftsfähigkeit im Rahmen eines selbständigen Betriebes eines Erwerbsgeschäftes zugesprochen bekommen hatte.

Cover des Jahrhefts 2007 des Gymnasiums Eppendorf

Nach meiner anfänglichen Euphorie kam ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Zügig fing ich an zu begreifen, dass es in der Wirtschaft bestimmte Regeln gibt. Regeln, die man beherzigen sollte, wenn man bestehen möchte. Ich denke bei diesen Regeln nicht an irgendwelche hochtrabenden Weißheiten, sondern an Kleinigkeiten wie, dass ein Laptop vor einem Kundengespräch geladen sein muss. Lernen musste ich auch, dass es zwar in Ordnung ist, mit Dumping-Preisen einen Eintritt in einen Markt zu erhalten. Das dies aber auf Dauer kein akzeptabler Zustand ist. Die für mich – und ich denke, dass ich in diesem Fall auch für andere Kleinunternehmer mitsprechen darf – schwierigste Frage war: Verdiene ich das, was ich verdiene? Die ersten Geschäftsjahre über musste ich diese Frage ganz klar verneinen, inzwischen sieht dies ein wenig anders aus.

Eine zweiwöchige Hospitation in der Abteilung HÖRZU Digitale Medien bei Axel Springer hier in Hamburg gab mir zwischenzeitlich die Möglichkeit, einmal zu sehen, wie die "Profis" arbeiten. Durch ein Abschlussgespräch, indem es auch Kritik an meiner Arbeit gab, wurde ich angespornt, besser zu werden. Es wäre vermessen zu behaupten, dass ich alle Ratschläge von einen Tag auf den anderen umgesetzt habe. Das Umsetzen hat zum Teil mehrere Monate oder sogar Jahre gedauert.

Optimistisch sehe ich der Zukunft entgegen und hoffe, dass sich durch die Stadt mit dem "Tor zur Welt" noch eine Menge interessante Chancen ergeben – ob nun geschäftlich oder privat.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, negative Begleiterscheinungen meiner Tätigkeit zu erwähnen, weil ich die Auffassung aus einer mir nicht bekannten Zitatquelle vertrete: "Ein Unternehmen soll unternehmen, nicht jammern!"

Dieser Beitrag wurde von Friedemann Scheer für das "Jahrheft 2007" des Gymnasiums Eppendorf (www.gymnasium-eppendorf.de) geschrieben.

In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid. Arthur Schopenhauer  

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