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Sicherlich habe ich Glück gehabt, in einer Familie wie der meinen
aufwachsen zu dürfen. In einer Familie, in der beide Elternteile
selbständig und immer motiviert waren. Oder aber ich war damals zu stark
von meiner Idee eingenommen, um die Bedenken anderer nicht zu ernst zu
nehmen, die eine Unternehmensgründung als Jugendlicher angeblich mit
sich bringen würden.
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Damals noch Brunsbütteler wollte ich endlich selber erleben, was es
heißt, ein Unternehmen zu führen. Nach der Gründung sein eigener Chef zu
sein, war für mich eine tolle Vorstellung, damals nicht ahnend, welche
Konsequenzen sich daraus ergeben würden. Als Metier wählte ich, wie
könnte es für einen jungen Menschen anders sein, das Internet aus. Als
Webdesigner wollte ich agieren und Kunden ins Netz bringen. |
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Die Anfänge lagen aber nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, immer
schon im Webdesign, sondern in kleinen "CD-Produktionen", die ich mit 12
Jahren machte. Diese CDs, ausgestattet mit witzigen
PowerPoint-Präsentationen, erfreuten sich damals bei meinen Mitschülern
und Lehrkräften mehr oder weniger großer Beliebtheit. Zufällig sprang
ich von PowerPoint auf HTML um, was den Stein sozusagen ins Rollen
brachte. Bis zur Gewerbeanmeldung dauert es dann noch ein wenig, weil
ich das Handwerk zum Erstellen von Websites erst einmal erlernen musste. |
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Ein wenig gewundert hat es den Sacharbeiter der Stadt Brunsbüttel schon,
ein Gewerbe für einen mittlerweile fünfzehnjährigen Jugendlichen
anzumelden. Aber auf dem Beschluss des Amtsgerichts, den ich bei mir
trug, stand es schwarz auf weiß, dass ich die volle Geschäftsfähigkeit
im Rahmen eines selbständigen Betriebes eines Erwerbsgeschäftes
zugesprochen bekommen hatte. |
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Nach meiner anfänglichen
Euphorie kam ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Zügig
fing ich an zu begreifen, dass es in der Wirtschaft bestimmte Regeln
gibt. Regeln, die man beherzigen sollte, wenn man bestehen möchte.
Ich denke bei diesen Regeln nicht an irgendwelche hochtrabenden
Weißheiten, sondern an Kleinigkeiten wie, dass ein Laptop vor einem
Kundengespräch geladen sein muss. Lernen musste ich auch, dass es
zwar in Ordnung ist, mit Dumping-Preisen einen Eintritt in einen
Markt zu erhalten. Das dies aber auf Dauer kein akzeptabler Zustand
ist. Die für mich – und ich denke, dass ich in diesem Fall auch für
andere Kleinunternehmer mitsprechen darf – schwierigste Frage war:
Verdiene ich das, was ich verdiene? Die ersten Geschäftsjahre über
musste ich diese Frage ganz klar verneinen, inzwischen sieht dies
ein wenig anders aus. |
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Eine zweiwöchige Hospitation in der Abteilung HÖRZU Digitale Medien bei
Axel Springer hier in Hamburg gab mir zwischenzeitlich die Möglichkeit,
einmal zu sehen, wie die "Profis" arbeiten. Durch ein Abschlussgespräch,
indem es auch Kritik an meiner Arbeit gab, wurde ich angespornt, besser
zu werden. Es wäre vermessen zu behaupten, dass ich alle Ratschläge von
einen Tag auf den anderen umgesetzt habe. Das Umsetzen hat zum Teil
mehrere Monate oder sogar Jahre gedauert. |
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Optimistisch sehe ich der Zukunft entgegen und hoffe, dass sich durch
die Stadt mit dem "Tor zur Welt" noch eine Menge interessante Chancen
ergeben – ob nun geschäftlich oder privat. |
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Ich habe bewusst darauf verzichtet, negative Begleiterscheinungen meiner
Tätigkeit zu erwähnen, weil ich die Auffassung aus einer mir nicht
bekannten Zitatquelle vertrete: "Ein Unternehmen soll unternehmen, nicht
jammern!" |
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Dieser Beitrag wurde von Friedemann Scheer für das "Jahrheft 2007" des
Gymnasiums Eppendorf (www.gymnasium-eppendorf.de) geschrieben. |
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